Ein instabiles Wirtschaftssystem
#1
Hallo,
Ich denke, dass das Spiel leider einen fatalen "Geburtsfehler" hat. Mathematisch-physikalisch ist ein System in einem labilen Gleichgewicht. Ähnlich wie wenn man eine Kugel auf einer gewölbten Oberfläche balanciert. Labile Gleichgewichte sind dadurch gekennzeichnet, dass bereits geringe Änderungen der Parameter zum Zusammenbruch des Systems führen können. Dass das der Fall ist, zeigen die zahlreichen entsprechenden Erfahrungsberichte in allen Foren.
Ein gutes Spiel - und auch die wirkliche Welt - sind einem indifferenten" Gleichgewichtssystem viel ähnlicher. Dabei führen Änderungen der Parameter selbstverständlich ebenfalls zu Veränderungen der Resultate, aber diese Änderungen haben eine gewisse Proportionalität zu den Veränderungen der Parameter. Bei einem Spiel kann man diese Proportionalität entsprechend definieren um das Spiel leichter oder fordernder zu gestalten.
Ein "stabiles" System wäre gegen Änderungen der Parameter weitgehend "robust"; d.h. es würde Fehler stärker "verzeihen". Das wäre für Spiele vielleicht zu wenig herausfordernd.
Aber die schlechteste Variante ist sicher ein zu labiles System. Wenn  wie bei GAM der Verlust einer Händlerkarawane eine florierende Wirtschaft in den Bankrott stürzen kann, dann ist das schlicht Unfug.
Leider kommt hier noch eine weitere Schwäche hinzu. Das System funktioniert nämlich nicht immer "richtig"; d..h. nicht so, wie es eigentlich der Spielmechanik nach funktionieren sollte. Die automatisierten Händler tun eben immer nicht das, was sie angeblich tun sollten. Zusammen mit einem labilen system kann das dann erst recht nicht gut gehen.
Um nicht falsch verstanden zu werden: Wer gerne jongliert und wem es nichts ausmacht, dass ihm bei der kleinsten Unaufmerksamkeit die Bälle vor die Füße fallen können, der kann durchaus Spaß an diesem Spiel haben.
Das Spiel hat ein großes Potenzial. Ob ein wenig Rebalancing das grundlegende Problem beheben kann, muss man allerdings bezweifeln.
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#2
(02-03-2016, 12:49 PM)PaulJohann Wrote: Wenn wie bei GAM der Verlust einer Händlerkarawane eine florierende Wirtschaft in den Bankrott stürzen kann, dann ist das schlicht Unfug.

Wie hast Du denn das florierende Wirtschaftssystem (Städte, Betriebe, Militär, Cash-Reserven) aufgebaut, daß ein geplünderter Händler bereits Game-Over bedeutet?

Bildlich gesehen sind Städte, Betriebe, Einheiten in GAM wie Bausteine, die man nach und nach ins Spiel bringt, aneinander legt oder übereinander stapelt. Wer zB alle Bausteine zu einem schmalen, besonders hohen Turm übereinander stapelt, muß damit rechnen, daß bereits bei einer leichten Störung von außen der Turm unter Einfluß der Gravitation zusammenbricht. Man kann nun auf die Gravitation schimpfen und eine Spielwelt ohne Gravitation fordern oder sich überlegen, welche Baustein-Formationen robuster gegenüber Störungen sind und probiert dann z.B. mal eine Pyramide.

Ich hatte beim Spielen von GAM nicht den Eindruck, daß das System instabil ist. Allerdings erleichtern die vielen Schätze und Geschenke zu Beginn die Gründungs-Phase so sehr, daß man leichter den Fehler macht, eine Wirtschaft aufzubauen, die dann ohne Zuschüße nicht mehr tragbar ist. Wer ein funktionierendes 4-Städte/20-Waren-System mal etabliert hat, freut sich hingegen über ein permanentes stabiles Einkommen, das bei Expansion exponentiell ansteigt und auch ein Militär finanzieren kann. (Auf den höheren Schwierigkeitsgraden wächst das Einkommen deutlich langsamer als auf normal (leicht) ...)
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#3
Hallo,

Ich muss hier zunächst Abbitte leisten. (Wenn mein Internet hier im fernen Asien funktioniert hääte, wäre das bereits geschehen).
Inzwischen habe ich kaum etwas anderes getan als GAM zu spielen. Und inzwischen weiss ich vieles besser.
Das mit den Instabilitäten habe ich z.T. den vielen User-Beiträgen entnommen. Inzwischen habe ich selbst sehr erfolgreiche und auch recht stabile Wirtschaftssysteme aufgebaut. Natürlich muss man jonglieren, um die vielen komplexen Mechanismen aufeinander abzustimmen. Aber da ich ein begeisterter Tüftler bin, ist das eigentlich genau mein Ding!
Das automatisierte Händlersystem kann man bei großen Imperien nur noch nach dem Gesamtergebnis beurteilen; ob da im Detail so alles perfekt funktioniert bleibt deshalb etwas unklar.
Ein Riesenlob verdienen die User selbst, von denen die wirklich brauchbaren Guides kommen. Da haben es sich die Entwickler doch viel zu einfach gemacht. Das "offizielle" Manual ist von lächerlicher Nutzlosigkeit!
Bei der Beurteilung des Militärsystems halte ich mich zurück. Da ist wohl vieles Geschmackssache. Wenn man an andere Spiele wie die Siedler, Anno, oder auch Civilization denkt; da war in jeder Serie das Kampfsystem jedesmal total anders. Wirklich überzeugend war keines.
Also, ein großer Dank an die Entwickler!
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#4
@PaulJohann

Es ist schön, daß Dir GAM nun Spass macht.
Den Entwicklern gegenüber wäre es fair, Deinen ersten Beitrag (#1) zB durch einen eingefügten Kommentar etwas zu entschärfen (-> Bearbeiten). Jemand, der GAM nicht kennt und nur #1 liest, könnte sonst von GAM einen falschen Eindruck bekommen ... Wir sind alle für unsere Posts verantwortlich.
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